Vielleicht per Rauchzeichen? Digitalisierung an deutschen Schulen

Lehrer unterrichtet mithilfe einer interaktiven Tafel

Spätestens der Corona-Lockdown hat es gezeigt: Ohne Internet sind wir mittlerweile aufgeschmissen. Vor allem für SchülerInnen ist der Zugang zum Internet in Zeiten des Home-Schoolings zu einem elementaren Bestandteil ihres Lebens geworden. Doch nicht alle SchülerInnen haben beim Lernen über das Internet die gleichen Chancen.

Laut einer Studie[1] des Statistischen Bundesamtes sind wohlhabendere Haushalte öfter mit dem Internet verbunden, als ärmere. So haben etwa 20% aller Haushalte mit einem monatlichen Einkommen von unter 1500€ keinen Internetanschluss, wohingegen Haushalte mit einem Einkommen von 2300€ bis 3600€ nur in 5% der Fälle keinen Internetanschluss haben. Als Gründe[2] für einen fehlenden Internetzugang werden von den einkommensschwachen Haushalten oft die hohen Kosten genannt. Es lässt sich also ein Zusammenhang zwischen Einkommen und dem Zugang zum Internet feststellen.

Für die Kinder der einkommensschwachen Familien stellt dies jedoch, vor allem in Zeiten von Corona, ein großes Problem dar. Der Großteil des Unterrichtes findet digital statt, entweder über Videochats, manchmal werden aber auch nur die Aufgaben und Aufschriebe per Mail verschickt. SchülerInnen, die Zuhause keinen Zugang zum Internet haben, können so wesentlich schlechter, oft sogar gar nicht für die Schule lernen.

Zwar sollen SchülerInnen, die keinen eigenen Computer haben, nun ein Leihgerät von der Schule bekommen[3], jedoch ist es noch nicht geklärt, wie die SchülerInnen, die Zuhause keinen Zugang zum Internet haben, ihre Schulaufgaben auf den Rechner bekommen. Vielleicht ja per Rauchzeichen. Auch ist nicht geklärt, wie die Arbeitsblätter ausgedruckt werden sollen, denn nicht mal ein Drucker ist selbstverständlich.

Doch leider ist es nicht damit getan, den SchülerInnen einfach einen Computer hinzustellen. Laut einer Studie[4] der Universität Paderborn haben viele deutsche SchülerInnen Probleme beim Umgang mit Computer und Internet. Eine der MacherInnen der Studie, Birgit Eickelmann, sagte, dass viele SchülerInnen „eigentlich nur Links anklicken und ihr Handy streicheln“ [5] könnten. Es fehlt also massiv an Medienkompetenz, ein Mangel, der sich jetzt rächt. Die deutschen Schulen hätten schon deutlich früher vermehrt auf digitalisierten Unterricht setzten sollen. Der Unterricht mit dem Overheadprojektor ist zwar im Einzelfall noch ok, als Standart aber definitiv nicht mehr zeitgemäß.

Aber das alles ist nur ein Symptom eines weitaus größeren Problems. In Deutschland wird zu wenig für die Fort- und Weiterbildung von LehrerInnen ausgegeben. Zwar wollen Bund und Länder mit etwa 500 Mio. Euro die Lehrerbildung verbessern, von dieser halben Milliarde ist aber kein Cent für die Weiterbildung vorgesehen[6]. So ist es auch für ältere LehrerInnen schwierig, ihren Unterricht digitaler zu gestallten, wenn sie dazu nicht auf Schulungen oder Seminare gehen können. Es ist also kein Wunder, dass sich unser Unterricht an den Möglichkeiten des Overheadprojektors orientiert, und gleichzeitig die Digitalkompetenz der deutschen SchülerInnen im internationalen Vergleich eher im Mittelfeld liegt[4].

Unterm Strich zeigt uns die Corona-Krise, wo wir beim Thema Bildung in den letzten Jahren versagt haben, und wo wir immernoch versagen. Wir müssen anfangen, auch unsere Schulen zu digitalisieren. Der Umgang mit Computern und dem Internet muss verstärkt Teil des Unterrichts werden. Gleichzeitig müssen wir allerdings auch dafür sorgen, dass alle SchülerInnen auch Zuhause einen Zugang zum Internet haben, um im Falle von längeren Krankheiten oder Schulschließungen auch weiterhin lernen zu können.

Quellenverzeichnis

[1]: Statistisches Bundesamt: Private Haushalte in der Informationsgesellschaft (IKT) – Fachserie 15 Reihe 4 – 2019; Tabelle H1, zuletzt abgerufen: 18. August 2020
[2]: Statistisches Bundesamt: Private Haushalte in der Informationsgesellschaft (IKT) – Fachserie 15 Reihe 4 – 2019; Tabelle H3, zuletzt abgerufen: 18. August 2020
[3]: spiegel.de: Bedürftige Schüler bekommen Leihgeräte statt 150-Euro-Zuschuss, zuletzt abgerufen: 18. August 2020
[4]: Birgit Eickelmann, u.a.: ICILS 2018: Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im zweiten internationalen Vergleich und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking, zuletzt abgerufen: 18. August 2020
[5]: spiegel.de: Drei von zehn Schülern können nur „Links anklicken und ihr Handy streicheln“, zuletzt abgerufen: 18. August 2020
[6]: spiegel.de: „Wir können nicht auf den biologischen Austausch der Lehrerschaft warten“, zuletzt abgerufen: 18. August 2020

Author: Florian Boden

DRKler, Pfadfinder und Ministrant, mit einer Affinität für Bitterschokolade und einem sehr eigenwilligen Humor. Grünen- und GJ-Mitglied. Interessiert in Verkehrs- und Digitalpolitik, sowie Modelleisenbahnen und Fotografie.

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