Es ist mal wieder Zeit, sich aufzuregen

Mich nervt in letzter Zeit mal wieder so einiges. Sei es wegen den schülerunfreundlichen Aktionen der Kultusminister ganz Deutschlands, dem immer weiter voranschreitenden Klimawandel, oder wegen viel zu vielen Idioten, die einfach noch nicht begriffen haben, dass es manchmal notwendig ist, Freiheiten einzuschränken, um Freiheiten zu bewahren. Doch die meisten haben anscheinend noch nicht begriffen, dass sie sich damit selbst ihr eigenes Grab schaufeln. Aber von vorne:


Dass zur Zeit nichts wirklich normal ist, muss ich wohl keinem erklären. Der Coronavirus veranstaltet Party auf der Erde, sehr zum Leidwesen von uns allen. Doch anstatt sich und Andere zu schützen, Alltagsmasken zu tragen, und vielleicht auch zuhause zu bleiben, wenn es nicht unbedingt nötig ist, raus zu gehen, werden die durchaus sinnigen Regelungen ausstrapaziert und oft sogar missachtet. Die Menschen, vor allem junge Leute treffen sich weiterhin im Park, veranstalten sogenannte „Coronapartys“ und rechtfertigen alles damit, dass der Virus ihnen ja nichts anhaben könnte; Und vergessen dabei, dass dies 1. nicht stimmt, und 2. vor allem ältere, kranke oder behinderte Menschen sehr stark gefährdet. Es ist diese Ignoranz, die mich so aufregt, dieses ums verrecken dagegen tun. Und wenn dann noch Leute meinen, gegen die durchaus gerechtfertigten Regeln zu klagen, nur weil sie meinen, dass es ihnen ja noch gut geht und die Regeln bisher funktioniert haben, dann hört‘s bei mir endgültig auf. In Sigmaringen, einer Stadt in meiner Nähe, hat zum Beispiel kürzlich ein Modehaus gegen die 800 qm-Regel bei der Öffnung von Geschäften geklagt, und auch noch Recht bekommen. Und das nur, weil sich ein paar Juristen mal wieder für schlauer, als die Experten auf diesem Gebiet, die Virologen gehalten haben. Diese Leute haben immer noch nicht verstanden, worum es eigentlich gerade geht: Es geht nicht darum, die Wirtschaft zu schwächen oder große Kaufhäuser zu ärgern, es geht um den Schutz der Allgemeinheit. Und ich denke, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht über der Gesundheit Aller stehen sollte. Und wenn eine Frau Bahner aus Heidelberg meint, dass es ratsam wäre, gegen die Kontaktverbote und Einschränkungen zu klagen, dann zeugt das lediglich von herausragender intellektueller Erbärmlichkeit. Es tut mir leid, aber anders kann ich das einfach nicht beschreiben. Es stellt sie nicht als Hüterin der Rechte des Volkes dar, es stellt sie als Person dar, die nur an sich und ihr direktes Umfeld denkt, und keinen Gedanken an die Menschen verschwendet, die direkt und unmittelbar von der Krise betroffen sind: Alte Menschen, chronisch Kranke, Behinderte, und natürlich auch alle Menschen, die im Rettungsdienst, in der Pflege oder anderen sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind und sich Tag für Tag dem Risiko aussetzten, sich zu infizieren, nur um denen zu helfen, denen es noch beschissener geht. Es ist nicht nur schade, sondern auch unheimlich traurig, dass unsere ach so fortschrittliche Gesellschaft so etwas nötig hat.

Und wer jetzt denkt, dass die Politiker unseres Landes heute leer ausgehen: Weit gefehlt. Denn die haben sich in den letzten Wochen auch nicht nur mit Ruhm bekleckert. Es schockiert mich einfach nur, wie man jetzt unter anderem mit Schülern umgeht. Zum einen will man möglichst bald wieder mit normalem Unterricht starten und versucht, zu erreichen, dass möglichst wenig Schüler auf der Strecke bleiben, und stellt die Schüler der Abschlussklassen dann vor die Wahl: Sich dem Risiko einer Ansteckung an einer potentiell tödlichen Krankheit aussetzten, oder keinen Abschluss schreiben. An vielen Schulen mangelt es nicht nur an Waschbecken und Desinfektionsmittelspendern, sondern auch an genügend Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten. Und wie es möglich sein soll, Viertklässler, die sich etwa sieben Wochen nicht gesehen haben, dazu zu bringen, diese Regeln einzuhalten, ist, sagen wir, nicht abschließend geklärt. Aber hey, Dinge beschließen, ohne zu wissen, wie sie umgesetzt werden, das kennen wir doch woher… . Doch welche Frage sich trotzdem stellt, ist, wie mit Schülern umgegangen wird, die mit Risikopatienten in einer Wohnung leben, ob die dann vor die Wahl gestellt werden: Entweder du schreibst Abitur, oder deine Oma bleibt gesund, oder was? Was hier veranstaltet wurde, ist der missglückte versuch, verfrüht zurück zur Tagesordnung zu gehen. Und die Leidtragenden sind die, die eh schon genug an der unausgegorenen und teilweise Ignoranten und verantwortungslodsen Politik zu leiden haben, es sind die, die eigentlich von Vater Staat geschützt werden sollten, und stattdessen in einen wahren Schmelztiegel der Viren abkommandiert werden.

Author: Florian Boden

DRKler, Pfadfinder und Ministrant, mit einer Affinität für Bitterschokolade und einem sehr eigenwilligen Humor. Grünen- und GJ-Mitglied. Interessiert in Verkehrs- und Digitalpolitik, sowie Modelleisenbahnen und Fotografie.

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